Narr, Constanze Stefanie Lebenserwartung und Krankheitsinzidenz der alten Katze - ein retrospektiver Überblick über die stationären Patienten der I. Medizinischen Tierklinik 1983-1995. In dieser Studie wurden retrospektiv die stationären Krankenblätter von sieben Jahrgängen (1983-1995) ausgewertet. Es wurden 2874 Katzenpatienten der I. Medizinischen Tierklinik München erfaßt. Das Verhältnis der Geschlechter war nahezu ausgeglichen. Die Mehrzahl der Katzen gehörte zur Rasse EKH (83,4 %). Im Verlauf dieser Jahre nahm die Zahl aller Patienten zu, der Katzenanteil stieg von einem Viertel auf ein Drittel an. Der prozentuale Anteil der Katzen, die älter als elf Jahre waren, vermehrte sich, und das Durchschnittsalter aller stationär aufgenommenen Katzen stieg von 3,8 auf 6,6 Jahre. Ebenso stieg die mittlere Überlebenszeit von 3,8 auf 7,5 Jahre. Kastrierte Tiere waren signifikant älter als intakte. Altersunterschiede, die sich zwischen den Rassen aufzeigten, waren nicht signifikant. Die Multimorbidität nahm sowohl mit steigendem Alter als auch im Verlauf der Jahre kontinuierlich zu. Dies lag zum einen am verbesserten medizinischen Wissen und der damit höheren Nachweisquote von Krankheiten, zum anderen daran, daß die Katzen älter wurden und ältere Katzen aufgrund ihrer verminderten Adaptationsfähigkeit einen höheren Multimorbiditätsgrad aufweisen. Es wurden drei Anstiege in der Multimorbiditätskurve, mit fünf, acht und elf Jahren, festgestellt. Zwischen den Geschlechtern und den Rassen konnte kein Unterschied bezüglich der Multimorbidität festgestellt werden. Die häufigsten Krankheitsgruppen in diesem internistischen Patientenmaterial waren Krankheiten im Bereich der Maulhöhle, Krankheiten des Gastrointestinaltrakts und Infektionskrankheiten. Aus Tabelle 36 gehen die altersklassenspezifischen Diagnosen hervor. Folgende geschlechtsspezifische Tendenzen fielen auf: Intakte Tiere hatten häufiger Infektionskrankheiten, Parasitosen und Enteritiden; Krankheiten im Bereich der Maulhöhle waren eher selten. Kastrierte Tiere hatten häufiger Krankheiten des Magens und im Bereich der Nieren und harnableitenden Organe, Diabetes mellitus und Tumorosen. Kastrierte Kater hatten häufiger Adipositas. FeLV- und FIV-positive Tiere waren häufiger männlich. Folgende rassespezifische Tendenzen fielen auf: Rassekatzen hatten häufiger Krankheiten im Bereich der Maulhöhle und des Magen-Darm-Trakts und waren eher kachektisch, während sie seltener Epilepsien und Tumorosen hatten. Perserkatzen hatten häufiger Nierenzysten, Magenulcera, Katzenschnupfen, Hautprobleme, Cardiomyopathien, FUS-Urolithiasis, Rhinitiden und Bronchopneumonien. Siamkatzen hatten häufiger dilatative Cardiomyopathien, Diabetes mellitus, Koprostasen, Probleme mit dem Körpergewicht, chronische Niereninsuffizienzen, Cystitiden, Rhinitiden, chronische Bronchitiden, Lungenödeme und Thoraxergüsse; Infektionskrankheiten und Parasitosen waren seltener. Folgende altersspezifische Tendenzen fielen auf: Welpen und junge Katzen (häufiger akutes Geschehen): Infektionskrankheiten (Parvovirose, FIP, Katzenschnupfen), Parasitosen (Spulwürmer, Kokzidien, Flöhe), Enteritiden, Schock, Krankheiten der Maulhöhle (Stomatitis, Glossitis), Dermatopathien (v.a. Mykosen), Vergiftungen, ZNS (Krämpfe und Ataxie ungeklärter Genese), Otitiden, Mißbildungen. Mittelalte Katzen: Krankheiten der Maulhöhle (Stomatitis, Zahnstein), Adipositas, Infektionen mit FeLV und FIV, Krankheiten des Respirationstrakts, Epilepsie, hypertrophe und nicht differenzierte Cardiomyopathie, Krankheiten der harnableitenden Organe (FUS- Urolithiasis), Dermatopathien (ausschließlich Mykosen). Ältere und alte Katzen (v.a. chronische Krankheiten): Krankheiten der Maulhöhle (Zahnstein, Zahnverlust), chron. Niereninsuffizienz, Kachexie, Endokrinopathien (Diabetes mellitus, Hyperthyreose), Krankheiten des Magens (Erbrechen, Gastritis), Cardiomyopathien (Aortenthrombose), Tumorosen (v.a Leukosen), Koprostase, Hepatopathien, Krankheiten des exokrinen Pankreas, Cystitiden, Schwäche.