ZUSAMMENFASSUNG Arthropodenübertragene parasitäre Infektionen bei Hunden auf Teneriffa: Eine epidemiologische Feldstudie über Artenspektrum der Erreger und Zecken sowie Infektionshäufigkeit Nach zusammenfassender Darstellung des bisher publizierten Schrifttums bei gleichzeitig kritischer Diskussion der Befunde über die Parasitenfauna der Hunde auf den kanarischen Inseln wurde in der vorliegenden Arbeit unter Einbeziehung von 700 Tieren unterschiedlicher Haltung und Lebensweise untersucht, welche und wie häufig Arthropoden-übertragene parasitäre Infektionen und ob auch Ehrlichia-Infektionen bei einheimischen Hunden auf Teneriffa vorkommen. Außerdem wurde das Artenspektrum der Zecken bei 168 Hunden erfaßt. Die epidemiologischen Untersuchungen zur artlichen Zusammensetzung der Erregerfauna der durch Arthropoden übertragenen parasitären Infektionen ergaben mit Dirofilaria immitis, Dirofilaria repens und Dipetalonema reconditum insgesamt 3 Helminthenspezies sowie mit Babesia canis, Hepatozoon canis und Leishmanien mindestens 3 Protozoenarten. Zusätzlich wurden als Zecken-passagierte Erreger noch Infektionen mit Ehrlichia canis nachgewiesen. Dirofilaria repens und Dipetalonema reconditum sowie Ehrlichia canis, Babesia canis, Hepatozoon canis und Leishmanien sind dabei Erstnachweise bei einheimischen Hunden auf Teneriffa, da ein Vorkommen dieser Erregerarten auf den Kanarischen Inseln vorher nicht dokumentiert war. Mit dieser Untersuchung wurde auch das Vorkommen von Dirofilaria immitis auf den Kanarischen Inseln diagnostisch erstmals eindeutig abgesichert. Von den 700 in diese epidemiologische Feldstudie einbezogenen Hunden waren 253 (36,1%) infiziert und davon 215 Tiere nur mit einer Erregerspezies, 35 gleichzeitig mit zwei und 3 Hunde sogar mit drei Erregerarten dieser Arthropoden-vermittelten Infektionen. Die Infektionsfrequenz variierte in Abhängigkeit von der Erregerart aber erheblich und betrug 22,6% für Dirofilaria immitis, 6,9% für Babesia canis, 2,6% für Hepatozoon canis, je 2,1% für Ehrlichia canis und Dipetalonema reconditum und nur 0,7% für Dirofilaria repens und 0,3% für Leishmanien. Die häufigste Zweifachinfektion war die Kombination von Dirofilaria immitis und Dipetalonema reconditum, die bei 15 Tieren nachgewiesen wurde, gefolgt von Dirofilaria immitis und Hepatozoon canis sowie von Babesia canis und artlich nicht differenzierbaren Mikrofilarien bei jeweils 4 Hunden. Bei 3 Hunden wurden sogar Dreifachinfektionen festgestellt, und zwar mit Dirofilaria immitis, Dirofilaria repens und Hepatozoon canis bei 2 Tieren und mit Dirofilaria immitis, Babesia canis und Hepatozoon canis bei 1 Hund. Die artliche Differenzierung der von 168 Hunden abgesammelten Zecken ergab stets einen Befall mit Rhipicephalus sanguineus, lediglich ein Hund war zusätzlich mit einer Nymphe von Ixodes ricinus infestiert. Von den Hunden wurden insgesamt 2558 Zecken der Art Rhipicephalus sanguineus entfernt. Aus den Ergebnissen dieser epidemiologischen Feldstudie wurde gefolgert, daß Dirofilaria immitis, Dirofilaria repens, Dipetalonema reconditum, Babesia canis, Hepatozoon canis und Ehrlichia canis sowie Rhipicephalus sanguineus auf Teneriffa endemisch eingebürgert sind, nicht oder noch nicht aber Leishmanien. Risiken einer endemischen Einnistung von Leishmanien werden aber nicht ausgeschlossen, da kompetente Vektoren dieser Erregergruppe in natürlichen Populationen auf der Insel vorkommen.