ZUSAMMENFASSUNG Zur antagonisierbaren intravenösen Langzeitanästhesie beim Kaninchen Studieninhalt war die Etablierung einer vollständigen intravenösen Anästhesie bei Kaninchen. Die Tiere sollten spontan atmen und nach Beendigung der Narkose antagonisiert werden können. Die hier untersuchte Anästhesieform sollte Mittel zum Zweck eines plastisch chirurgischen Tierversuchsvorhabens sein, in dem 39 weibliche, ca. 4 Monate alte Kaninchen für eine Dauer zwischen 2 und 7 Stunden in Narkose gelegt werden mußten. Eingeleitet wird die Anästhesie intramuskulär mit einer Kombination aus Medetomidin (0,2 mg/kg) und Ketamin (35 mg/kg). Dann werden je ein venöser und arterieller Zugang in die V. bzw. A. auricularis gelegt, und die Kaninchen blind intubiert ohne den Tubus zu blocken. Weitergeführt wird die Anästhesie intravenös als Infusion zunächst mit Ketamin (7,0-14,0 mg/kg/h) und Medetomidin (0,04-0,08 mg/kg/h). Die Dosierung richtet sich nach der Wirkung. Zu dem Zeitpunkt, zu dem zu erwarten ist, daß der Eingriff noch etwa 1 Stunde dauert, wird das Ketamin durch Fentanyl (0,016-0,032 mg/kg/h) ersetzt. So kann angenommen werden, daß bei Ende der Anästhesie alle Anästhetika antagonisierbar sind. Wegen starker Kreislaufschwankungen bei manueller Injektion erfolgt die Applikation der Anästhetika mit Hilfe eines Perfusors, der nach Wirkung eingestellt wird. Während der gesamten Dauer des Eingriffs erhalten die Kaninchen Sauerstoff. Die Wärmeapplikation erfolgt durch ein Heizkissen und die Gesamt-Infusionsrate beträgt 10 ml/kg und Stunde. Um Lungenatelektasen vorzubeugen und eine ausreichende Abatmung von CO2 zu garantieren, wird alle 5 Min. 5 bis 10 mal vorsichtig beatmet. Blutgase und Säure-Basenstatus werden stündlich bestimmt. Ausgeleitet wird die Anästhesie durch Abschalten der Anästhetika-Dauertropfinfusion, 10 Minuten danach wird mit Atipamezol (1 mg/kg) und Naloxon (0,03 mg/kg) intramuskulär antagonisiert. Die weitere Analgesie erfolgt mit Metamizol (40 mg/kg i.m.), das man vor der Antagonisierung appliziert. Während des gesamten Verlaufs der Anästhesie sinkt der mittlere arterielle Blutdruck kontinuierlich ab, besonders nach Umstellung auf Fentanyl/Medetomidin. Sobald Ketamin durch Fentanyl ersetzt wird, erniedrigt sich die Atemfrequenz signifikant. Dies zeigt sich dann in einem Anstieg des CO2-Partialdruckes bei gleichzeitiger pH-Reduktion. Durch die kontinuierliche Sauerstoffapplikation und die intermittierende Beatmung kann verhindert werden, daß die Sauerstoff-Partialdrücke signifikant absinken. Ebenfalls kann man durch die intermittierende Beatmung vermeiden, daß die Kohlendioxidpartialdrücke über 20% des Ausgangswertes ansteigen. Die Körperinnentemperatur sinkt zwar um ca. 1°C ab, steigt allerdings gegen Ende der Operation wieder an und ist am darauffolgenden Tag wieder im physiologischen Bereich. Nach Antagonisierung können die Kaninchen nach 1 bis 5 Minuten extubiert werden und nach durchschnittlich 15 Minuten sind die Stellreflexe wieder vollständig erhalten. Schlußfolgerungen: Zusammenfassend kann gesagt werden, daß diese Anästhesieform anhand der Reflexe gut steuerbar ist, die Kaninchen atmen spontan und sind gut relaxiert und analgesiert. Lange Nachschlafzeiten mit den damit verbundenen Nebenwirkungen wie Hypothermie und Atemdepression können vermieden werden.