Aigner, Christian Vergleichende Untersuchung zum therapeutischen Langzeiteinsatz von azyklischen Nukleosidphosphonaten und Melittin bei natürlich FIV-infizierten Katzen In der vorliegenden Untersuchung wurde die antiretrovirale Wirksamkeit der azyklischen Nukleosidphosphonate (R)-9-(2-Phosphonylmethoxypropyl)adenin (PMPA) und (R)-9-(2- Phosphonylmethoxypropyl)-2,6-diaminopurin (PMPDAP) mit der von Melittin in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie verglichen. 48 natürlich FIV-infizierte Katzen durchliefen eine sechswöchige Therapie. Da die erwarteten Erfolge ausblieben, wurden 24 davon in einen Zeitraum von neun Monaten jeweils zwei weiteren Therapiezyklen von sechs Wochen Dauer im Abstand von zehn Wochen unter-zogen. Die Patienten wurden randomisiert in die Behandlungsgruppen „azyklische Nukleosidphosphonate“ (ANP), „Melittin“ und „Placebo“ eingeteilt. Melittin, ein Polypeptid aus dem Gift der Europäischen Honigbiene, wurde zweimal wöchentlich in einer Dosierung von 500 µg/kg KM subkutan appliziert. Die azyklischen Nukleosid- phosphonate wurden zweimal wöchentlich in einer Dosierung von 25 mg/kg KM subkutan verabreicht. Als Nebenwirkung der azyklischen Nukleosidphosphonate war in den sechswöchigen Therapiephasen ein statistisch signifikanter Abfall des Hämatokrits und der Körpermasse zu verzeichnen. Durch hohe Gewichtszunahmen in den Behandlungspausen bewirkten die azyklischen Nukleosidphosphonate über die gesamte Beobachtungsdauer von 38 Wochen insgesamt sogar einen Anstieg der Körpermasse. Der Karnofsky-Index, ein Maß für das Allgemeinbefinden der Katzen, verbesserte sich in der ANP-Gruppe ebenso wie der CD4/CD8- Quotient, beide aber nicht statistisch signifikant. Daher erfüllte die Behandlung der FIV- infizierten Katzen mit den azyklischen Nukleosidphosphonaten nicht die aufgrund früherer Untersuchungen in sie gesetzten Erwartungen. Melittin hatte keine Nebenwirkungen, obwohl es natürlicher Bestandteil des Bienengifts ist. Über die gesamte Beobachtungsdauer verbesserte sich auch in der Melittingruppe der Karnofsky-Index (nicht signifikant im Vergleich zur Placebogruppe), und die Behandlung bewirkte einen Anstieg der Körpermasse. Auffällig war der signifikante Abfall der relativen CD4+-Lymphozyten während der Therapiezyklen, der möglicherweise als Folge einer Lyse FIV- infizierter Zellen gewertet werden könnte. Letztendlich hatte sowohl die Behandlung mit den azyklischen Nukleosidphosphonaten als auch die Therapie mit Melittin in dem hier angewendeten Behandlungsregime keinen entscheidenden Einfluß auf den Verlauf der überprüften Parameter bei natürlich FIV-infizierten Katzen.