Tierärztliche Fakultät
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Lehrplan von 1792

Erstes Jahr

I. Semester

  • Unterricht über die exacte Pferdekenntnis nebst Beobachtungen
  • Vergleichende Anatomie des Pferdes, Hornviehes, Schafes und Schweines
  • Anweisung zur Dissection, damit die Schüler nicht allein den thierischen Körperbau kennen lernen, sondern damit auch ihre Hand zu den im 2. Jahre zumachenden Operationen geschickter und gelenker werde

II. Semester

  • Physiologie oder die Lehre von den Wirkungen der thierischen Organe im gesunden Zustand
  • Botanik oder Kräuterkunde. Nothwendig ist, dass denen Schülern jene Pflanzen bekannt gemacht werden, welche in arte veterinaria nutzen oder schaden, besonders aber müssen jene Pflanzen vorgezeiget werden, welche in der Landwirthschaft Vortheile oder Nachtheile bringen, damit das Wachsthum der ersteren befördert, letztere aber ausgerottet werden

Zweites Jahr

I. Semester

  • Vergleichende Anatomie und Physiologie als die Grundlage der ganzen Wissenschaft wiederholt
  • Fortsetzung im Disseciren
  • Cours von Operationen an lebenden Thieren praktisch gezeigt
  • Praktische Anwendung der im ersten Jahre theoretisch gelehrten Schmied- und Beschlagkunde
  • Praktische Uebungen der gesehenen Operationen im Anfange am todten Thiere

II. Semester

  • Generale Pathologie oder Lehre der Krankheiten im allgemeinen Verstande genommen
  • Theoretische Wundarzney
  • Medizinische Materie[i] auf das Thier angewandt
  • Botanik wiederholt
  • Fortsetzung der Operationen

Drittes Jahr

I. Semester

  • Alles wie im 2.Semester des 2. Jahres wiederholt und fortgesetzt
  • Pathologia practica s. specialis nämlich die Lehre jeder Krankheit insbesondere
  • Besonderer und gründlicher Unterricht über die Viehseuchen jeder Thiergattung durch die Geschichte erläutert
  • Tägliche Uebung im Schmieden und Beschlagen
  • Uebung der Operationen an lebenden Thieren

II. Semester

  • Fortsetzung der Pathologia specialis
  • Uebung im Beschlagen kranker Hufe oder in sonstigem Hinken der Pferde, wo blos durchs Beschlagen zu helfen ist
  • Uebung der Operationen an lebenden Thieren
  • Zum Schluss der ganzen Lehre muss den Schülern noch erklärt werden, wie und wo, nämlich in welchen Gegenden der Landwirth Vortheile entweder aus der Pferde- oder Hornvieh- oder Schaafs- oder Schweinzucht erhalten könne, denn sehr irrig ist der Oekonom, der glaubt seiner Phantasie gemäss Pferd oder Hornvieh oder Schaaf oder Schweine in jeder Gegend, sie mag trocken oder morastig sein, mit hinlänglichem Vortheil zu ziehen
Anmerkung: Während dieser drei Jahre müssen sich die Lehrlinge immerwährend und abwechslungsweise in den Krankenställen der Schule im Verbinden und Besorgen der kranken Thiere üben, damit sie nicht allein als theoretisch, sondern auch als praktisch belehrte Tierärzte aus der Schule in ihre Heimath zurückkehren.

[i] Arzneimittellehre