Tierärztliche Fakultät
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Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Zierfische

Allgemeines

Die Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Zierfische hat sich durch zunehmende Spezialisierung in den letzten Jahren zu einem Kompetenzentrum für Exotenmedizin entwickelt. Die Aufgaben umfassen alle Aspekte der Medizin und Chirurgie einschließlich tierschutzrechtlicher Aspekte sowie weiterführender peri- und postklinischer Aspekte (Labordiagnostik, Pathologie) bei den genannten Tierarten in Dienstleistung, Lehre und Wissenschaft. Die Klinik, in der pro Jahr ca. 6.000 Patienten und in einem Fünfjahresabschnitt mehr als 1500 verschiedenen Arten behandelt werden, bietet u. a. einen 24-Stunden-/365 Tage-Notfalldienst für die ambulante und stationäre Versorgung von Patienten vor Ort ebenso wie im Rahmen einer Wirtschafts- und Ziergeflügelambulanz. Jährlich werden an unserer Klinik weiterhin rund 1200 in Not geratene (herrenlose) Wildvögel, welche durch Feuerwehr, Polizei, Tierrettung München und die Öffentlichkeit überbracht werden, behandelt. Die aus ethischen Gesichtspunkten und aus der Verantwortung für das Mitgeschöpf heraus erfolgende Behandlung stellt mit einem Kostenaufkommen von jährlich rund 60.000 Euro ein großes finanzielles Problem für die Klinik dar, zu deren Lösung wir auf Spenden angewiesen sind. Das weitgestreckte Patientenspektrum an der Klinik umfaßt Tiere von 3 Gramm bis 170 Kilogramm Körpermasse, vom einheimischen Wintergoldhähnchen, über Kolibris bis hin zum Strauß, von der Vogelspinne bis zum Python, vom Koikarpfen bis zum Pfeilgiftfrosch.

Abbildung 1 Abbildung 2

Eingangsbereich der

Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Zierfische

Eingangsbereich der Reptilien- und Zierfischambulanz

Historie

Die heutige Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Zierfische und ihre Vorläufereinrichtungen sind bereits seit mehr als fünfzig Jahren in Oberschleissheim ansäßig. Sie wurde 1965 als Institut für Krankheiten des Haus-, Zier- und Wildgeflügels auf dem Gelände einer ehemaligen Geflügelfarm Baujahr 1927 an der Mittenheimer Straße unter Leitung von Frau Prof Dr. Irmgard Gylstorff als erste weibliche Lehrstuhlinhaberin für Geflügelkrankheiten in Deutschland gegründet. 1990 an die Sonnenstrasse verlagert ist unsere Klinik die erste Einrichtung am heutigen Campus Oberschleissheim der Tierärztlichen Fakultät dar.

Abbildung 3

Ehemaliges Institut für Krankheiten des Haus-, Zier-und Wildgeflügels an der Mittenheimer Strasse in Oberschleissheim auf dem Gelände einer Geflügelfarm Baujahr 1927

Klinikstruktur

An der Klinik arbeiten rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Klinik ist in zehn eng miteinander vernetzte Arbeitsbereiche gegliedert: Wirtschaftsgeflügel-, Zier- und Greifvogel-, Reptilien- und Amphibien- sowie Zierfischambulanz, Augenheilkunde sowie die Arbeitsbereiche Pathologie, Bakteriologie, Virologie, Histologie und Parasitologie. Die Pathologie und die Labore sind auf eine – hinsichtlich des Vogelanteiles tierartlich unabdingbare - Schnell- und Notfalldiagnostik spezialisiert. Im Arbeitsbereich Wirtschaftsgeflügelambulanz werden die im engeren Sinne bekannten Spezies Hühner, Puten, Gänse und Enten im Rahmen von Ambulanzfahrten jedoch auch der Klinikeigene, für die Lehre unterhaltene Bestand betreut ebenso wie auch sog. „minor spezies“, sowie u. a. die in ihrer Bedeutung als landwirtschaftliches Nutztier zunehmende Straußenhaltung. Im Arbeitsbereich Ziervogelambulanz, in welcher Zier-, Zoo-, Wild- und Greifvögel und Tauben einschließlilch falknerisch gehaltener Greifvögel betreut werden. Im Arbeitsbereich Reptilien und Ampihbien werden Echsen, Schlangen und Schildkröten, im Arbeitsbereich Zierfische nicht nur aquaristisch gehaltene Zierfische sondern u. a. auch Koikarpfen behandelt.

Abbildung 4 Abbildung 5 Abbildung 6

Versorgung eines Vogelpatienten

Versorgung eines Reptilienpatienten, hier einer Schildkröte

Tierärztliche Kontrolle eines Aquariums

Ausbildung

Die Ziervogel- bzw. Reptilienmedizin findet in Deutschland Ihre Anfänge in den 80er Jahren bzw. um die Jahrtausendwende und stellt daher eine vgl. junge Disziplin dar. Entsprechend wird auf eine exzellente Ausbildung der Studierenden an der Klinik größten Wert gelegt. Alle Studierenden durchlaufen an der Klinik eine zweiwöchige Rotation durch alle Abteilungen mit Wahlmöglichkeit einer Schwerpunktbildung Wirtschafts- und Ziervogelmedizin oder Reptilien- und Zierfischmedizin. Diesem Umstand Rechnung tragend sowie um ein kundenfreundliches Umfeld zu bieten, erfolgt eine Behandlung von Patienten von Privatpersonen im Rahmen einer Terminsprechstunde. Die postgraduale Ausbildung umfaßt für Tierärztinnen und Tierärzte u. a. Weiterbildungsgänge zum Fachtierarzt für Geflügel, einschließlich der Teilgebiete für Zier-, Zoo-, Wild und Greifvögel und Tauben sowie für Reptilien. Eine Residency zur Erlangung eines Diplomatestatus im Rahmen des College für Zoo und Wildtiermedizin (ECZM, Avian) ist in Vorbereitung. An unserer Klinik werden darüberhinaus in großer Zahl Biologielaboranten, Tiermedizinische Fachangestellte sowie Tierpflegerinnen ausgebildet.

Abbildung 7

Studierende in der klinischen Rotation mit Ausbildung am Geflügel

Fortbildung

Unsere Klinik bietet regelmäßig eine Vielzahl von Fort- und Weitertbildungsmöglichkeiten, nicht nur für praktizierende Tierärzte, sondern auch für Tierhalter an. Seit mehr als 35 Jahren veranstaltete die Klinik für Vögel, Reptilien in zweijährlichem Turnus die Tagungen der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) über Vogelkrankheiten, welche aktuell bundesweit als Tagungen der DVG-Fachgruppe über Zier-, Zoo- und Wildvögel, Reptilien und Amphibien sowie Fische fortgeführt werden. Regelmäßig finden weiterhin in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landestierärztekammer sowie mit dem Tierärztlichen Bezirksverband Oberbayern eine sechsteilige Modulreihe „Ziervogelmedizin“ sowie das traditionelle „Vogelklinik-Open Air“ im Klinikgarten mit aktuellen Themenstellungen zur praktischen Vogel-, Reptilien und Zierfischmedizin statt. Nicht nur für Tierärzte sondern auch für Tierhalter werden weiterhin neben Veranstaltungen zur Zier- und Rassegeflügelhaltung jährlich bundesweit anerkannte nach § 6 TSchG anerkannte Sachkundesemiare zur Straußenhaltung- und Straußenschlachtung in Zusammenarbeit mit der Straußenfarm Donaumoos angeboten.

Abbildung 8 Abbildung 9

Ankündigungs-poster zur jährlichen „Open Air“-Weiterbildungveranstaltung für praktische Tierärzte

Teilnehmer des Sachkundesemiar Straußenhaltung

Einrichtungen

Im Haupttrakt der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Zierfische sind neben der Ziervogelambulanz und ca. 80 Plätzen für stationäre Unterbringungen alle Labore untergebracht. Der OP der Klinik ist hochmodern und verfügt hinsichtlich des Instrumentariums im Hinblick auf die häufig kleinen Patienten eine ausgeprägte Miniaturisierung, welche u. a. Minimalinvasive Eingriffe, wie z. B. am und im Auge ermöglicht. Die Klinik verfügt über eigene Stallungen und Ausläufe für konventionelle Gefügel- und Reptilienhaltung, Stallungen für die SPF-Geflügelhaltung sowie eine neuesten Konzepten entsprechende Wild- und Greifvogelvoliere. Im Rahmen der Angliederung der Arbeitsbereiche Reptilen, Amphibien und Zierfische im Jahr 2009 wurde 2013 ein Neubau für die genannten Arbeitsbereiche errichtet, welcher neben rund 50 stationären Unterbringungsplätzen und einem zentralen, großen Lehrterrarium eine besonderen Erfordernissen entsprechende Gefahr- und Gifttierabteilung enthält. Die instrumentelle Ausstattung entspricht modernsten wissenschaftlichen und praktischen Erfordernissen und ist hinsichtlich der Intensivmedizinischen Schnell- und Notfalldiagnostik mit digitaler, hochauflösender nadelkristallbasierter Röntgeneinrichtung und verschiedenen speziellen hochauflösenden Ultraschallgeräten bis hin zur optischen Kohärenztomotgraphie auf diesem Arbeitsgebiet weltweit führend. Die spezielle Kombination aus angewandter Klinik und angeschlossenen „in-house“-Laboren ist nicht nur Deutschlandweit sondern auch über die Grenzen hinaus einzigartig und wegweisend.

Abbildung 10 Abbildung 11

Optische Kohäherenz-Tomographie-Einheit (OCT)

Digitales Röntgen mit Steigrohr bei einer Schlange

Wissenschaftliche Schwerpunkte

Die wissenschaftlichen Schwerpunkte an unserer Klinik umfassen neben der Anästhesie, Orthopädie und Augenheilkunde, Aspekten zur visuellen Perzeption und tierschutzrechtlichen Konsequenzen zur Haltung unter Kunstlicht nicht nur von Wirtschaftsgeflügel Fragestellungen aus den Bereichen bildgebende Verfahren (Röntgen, Ultraschall, Kohärenztomographie) sowie Schnell- und Notfalldiagnostik einschließlich infektiologischer Fragestellungen und Wildtier- und Jagdbiologische Themen bei Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen

Abbildung 12

Sonographie am Fischauge